Das Flüchtlingslager – mein Zuhause

Konflikte

Das Flüchtlingslager Dadaab: Die meisten Menschen im Flüchtlingslager leben unter sehr schlechten Bedingungen. Viele wohnen sogar in Hütten, die nur aus Ästen und Plastikplanen gebaut sind.
Das Flüchtlingslager Dadaab: Die meisten Menschen im Flüchtlingslager leben unter sehr schlechten Bedingungen. Viele wohnen sogar in Hütten, die nur aus Ästen und Plastikplanen gebaut sind. | Foto:  Anna Kerber/dpa

Der Junge Mohamed lebt im größten Flüchtlingslager der Welt. Es liegt im Land Kenia in Afrika. Wir haben den Neunjährigen dort besucht.

Mohamed Ali Bare ist neun Jahre alt. Er will Pilot werden. Seine beiden großen Brüder Isaac und Hamsa lachen, wenn er von seinem Traum erzählt. Sie nehmen diesen Wunsch nicht ernst. Alle drei leben in einem Flüchtlingslager in Kenia. Kenia ist ein Land in Ostafrika. Das Flüchtlingslager in Dadaab ist das größte der Welt. Mehr als 280.000Menschen aus verschiedenen Ländern leben dort. Das Flüchtlingslager gibt es bereits seit 25 Jahren. Die Menschen, die dort leben, sind zum Beispiel vor Gewalt oder Armut in ihrer Heimat geflohen.

Tausende Kinder wurden schon in dem großen Flüchtlingslager geboren.

Tausende Kinder wurden schon in dem großen Flüchtlingslager geboren, so auch Mohamed, Isaac und Hamsa. Die Eltern der drei Jungen kommen aus dem Nachbarland Somalia. Dort gibt es seit vielen Jahren einen Bürgerkrieg. Das bedeutet, dass verschiedene Gruppen in dem Land untereinander kämpfen. Auch andere Länder sind daran beteiligt. Der Krieg macht Menschen arm. Viele Kinder können nicht in die Schule. Ihre Eltern finden keine Arbeit. Auch gibt es in Somalia immer wieder Dürren. Es fällt kein Regen oder nicht genug, damit Getreide und Gemüse gut wachsen können. Kühe, Ziegen und Kamele verdursten. Deshalb haben die Menschen dort wenig zu essen. Tausende Familien flohen aus Somalia, viele davon kamen nach Kenia. Sie dürfen das Flüchtlingslager nicht verlassen. Das bestimmt das Gesetz. „Es ist das einzige Zuhause, das wir haben“, sagt Mohamed. Die meisten Menschen leben hier unter sehr schlechten Bedingungen. Viele wohnen sogar in Hütten, die nur aus Ästen und Plastikplanen gebaut sind. Gekocht wird auf einfachen Feuerstellen mit Holz oder Kohle. Normalerweise ist es sehr heiß und trocken. Wenn es dann aber regnet, fließt das Wasser schnell in die Hütten und Häuser. In manchen Dingen unterscheidet sich das Leben der Brüder aber nicht vom Leben Kinder und Jugendlicher hierzulande: Sie gehen zur Schule, spielen Fußball und streiten sich über das Fernsehprogramm. „Ich sehe gerne Zeichentrickfilme“, sagt Mohamed. „Meine Brüder stören mich dabei.“

Sein 13-jähriger Bruder Isaac schaut lieber Nachrichten. „Ich will Politiker werden und Menschen in Somalia helfen“, sagt er. Auch bei den Fußballklubs sind die Brüder sich nicht einig. „Real Madrid!“, ruft Mohamed. „Chelsea“, murmelt Hamsa. Hamsa ist mit 16 Jahren der Älteste. Er will nicht nach Somalia. „Ich war noch nie dort – und will auch nicht hin“, erklärt er. Mohamed will sich in der Schule anstrengen, um seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Wohin er möchte? „Vielleicht nach Europa?“, sagt er verlegen und lacht. Dann ist es auch schon fast fünf Uhr: Zeit für Fußball! (dpa)

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