Segen oder Etikettenschwindel?

Religion

Zur Aktion der Sternsinger schreibt Katja Allendorf, Gemmenich:

Beim Anblick der Sternsinger drängen sich Fragen wie ein Rudel Sternschnuppen auf: Was für eine Art von (katholischem?) Segen bringen die Kinder eigentlich in die ostbelgischen Haushalte?

Einen Hauch von Kreide? Eine Formulierung, die sich jeder selbst an die Tür malen kann?

Ein Stück Klebestreifen mit der angeblich so christlichen Formulierung: „Jesus segne dieses Haus?“

Wie genau soll dieser Jesus das denn anstellen? Handelt es sich nicht eher um einen Ablasshandel?

Eine kleine oder größere Spende bezogen auf das Haushaltseinkommen zieht einen größeren oder kleineren Segen nach sich?

Weil die Politiker und Wirtschaftsbosse weltweit nicht in der Lage sind, ökonomische Probleme zu lösen, müssen oder dürfen die Kinder herhalten, um einen Ausgleich zu schaffen? Wer wagt es, den Kindern zu verklickern, dass es die heiligen drei oder vier Könige historisch nie gegeben hat? Noch weniger als den Weihnachtsmann oder das Christkind oder die Zahnfee?

Welches perfide Meinungsmanagement betreibt die katholische Kirche mit der Aktion der Sternsinger?

Fragen kann wertvoller sein als Segen!

  1. Danke für diese vielen pertinenten Fragen, Frau Allendorf, die sich jeder, der sich „Gläubiger“ nennt, einmal stellen sollte. Ich denke, dass man Kindern in der Tat keinen Gefallen erbringt, wenn man ihnen Märchen darüber erzählt, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Goethe).

    Ergänzend hierzu ein Zitat von Richard Dawkins: „Ich bin ein Gegner der Religion, sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen“.

  2. Ja, auch mir stößt diese Aktion jedes Jahr wieder auf. Die Kinder werden in den Dörfern rumgeschickt um Segen zu spenden und vor allem Geld zu sammeln. „Man“ gibt natürlich auch etwas – die Kinder können ja nichts dafür.
    Gleichzeitig aber hat das „arme Bistum“ – trotz deutscher Kirchensteuer – nicht das Geld die Dorfkirche zu erhalten und die Dorfgemeinschaft springt wieder ein.

    1. Zum Reichtum der katholischen Kirche gibt es einige offizielle Zahlen, man sollte sich aber besser vorher hinsetzen, um nicht umzufallen:
      Köln: 3,4 Milliarden
      München-Freising: 5,5 Milliarden
      Paderborn: 4 Milliarden

      Quelle: Der Spiegel, Die Welt

  3. Ja Geld sammeln für irgendwelche Armen in weit entfernten Ländern. Es gibt auch so genug wirkliche Armut im eigenen Land und für die wird nicht nach Spenden aufgerufen oder dieselben gesammelt seitens der Kirchen und Bistümer. Aber sich wundern dass dann die so genannten „Opferstöcke“ beraubt / geraubt werden ohne das was durch den „Klingelbeutel“ während einer Messe so zusammen kommt.

  4. …und schon wieder wird gegen Traditionen und den Glauben geschossen.
    Dabei vergessen die meisten das man so oder so etwas „glauben“ muss, entweder an den lieben (oder doch nicht so lieben) Gott, an Allah, der großen Mutti, die universelle Kraft oder wie immer Sie es nennen möchten, oder eben an „nichts“. Aber selbst dann muss man sich eingestehen das man „glaubt“ die Welt sei durch einen großen Knall entstanden, dass sich zufällig zwei Atome getroffen und verliebt haben, sich dann ganz zufällig das erste Molekül bildete, und so weiter.
    Glaube ist ein persönliches Gut, und jeder soll das glauben was er für richtig hält und den anderen nicht seine Meinung aufzwingen wollen.
    Als Kind habe ich gerne an den Weihnachtsmann und das Christkind geglaubt, weil es einfach schön war, und es hat mich nicht in eine Depression gestürzt als ich erfuhr das Mama und Papa die Geschenke kaufen.
    Wer glaubt darf gerne spenden und den Segen annehmen, auch wer nur glaubt damit etwas Gutes zu tun darf gerne Spenden und den Rest ignorieren. Wer nicht glaubt muss sich auch nicht gezwungen fühlen zu spenden.
    Der eine glaubt dem Arzt, der andere dem Homöopathen. Sucht es euch aus, und lasst dem anderen seinen Glauben, denn ihn könnt ihr genau so wenig ändern wie Trump oder Gandhi.

    1. Herr Reul, Traditionen sind ein sehr schlechtes Argument, um Religionen beizupflichten: in bestimmten Gegenden der Welt ist es „Tradition“, Frauen oder Männern Teile der Geschlechtsorgane wegzuschneiden, aus religösen Beweggründen; „traditionell“ sieht die katholische Kirche auch Homosexuelle als „Sünder“ an, einfach weil sie sind wer sie sind. „Traditionell“ hält die Kirche ihre schützende Hand ferner über Kinderschänder, usw.

      Was sie glauben oder nicht ist ihre Privatsache und das sollte es auch bleiben – wenn Kinder aber indoktriniert und instrumentalisiert werden, dann geht es auch die Gesellschaft als Ganze etwas an.

      Und zuletzt: das Schöne am Urknall und an anderen Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen ist, dass sie wahr sind, ob sie „dran glauben“ oder nicht. Der Apfel, der vom Baum der Erkenntnis fällt, fällt eben immer nur zu Erde hinunter und nicht anders herum, so sehr man auch nicht „daran glauben“ mag – man nennt das „Schwerkraft“.

    2. Wenn also alles nur eine Frage des Glaubens ist und es auf Wissen nicht mehr ankommt, schlage ich vor, sofort alle Schulen zu schließen.
      Denn was Kinder dort lernen kann man ja glauben oder auch nicht.
      Traditionen müssen es sich gefallen lassen, hinterfragt oder infrage gestellt zu werden. Religionen ohnehin.

    1. Woher kamen denn eigentlich die zwei Atome die den „Urknall“ ausgelöst haben? Glauben oder nicht glauben, that is the question!

  5. Eine interessante und überfällige Diskusson, wie ich finde. Tatsächlich sollten Traditionen nicht jedwelche Aktion rechtfertigen, selbst wenn das Sternsingen in unseren Gefilden schon seit Generationen populär ist. Die Anzahl Reaktionen spricht Bände. In dem Zusammenhang dürften auch andere Fragen erlaubt sein. Z.B. weshalb spielt niemand mehr den schwarzen, heute heißt es wohl eher den „geblackfaceten“ König bzw. Weisen aus dem Morgenland, der der Legende nach, als der Vertreter Afrikas betrachtet wurde. Auf den Fotos ist er jedenfalls verschwunden. Die offizielle Lesart der Verantwortlichen ist bekannt. Hinzu kommt ggfls. noch eine Schminkallergie und der größere Aufwand beim Säubern der Kleidung ;-) Andererseits könnte man dunkelhäutige Könige auch als ein Zeichen der gesellschaftlichen Öffnung sehen, denn Afrika ist überall. Aber was soll’s: Ohnehin steht nicht mal fest, wer von den Dreien wohl der schwarz gewesen sein soll.

  6. Ja, Herr Völl, that‘s the question.
    Aber gehen wir einmal davon aus, „Gott“ habe den Urknall ausgelöst, was hat Gott davor gemacht? Und was hat er in den 14 Milliarden Jahren seitdem gemacht? Dinosaurier, Amöben, Grünschachtelhalme oder Clownfische gebastelt oder nur dabei zugeschaut, was sich aus seinem Urknall so entwickelt?
    Und was oder wer hat Gott erschaffen? Und was oder wer hat das oder den erschaffen, der Gott erschaffen hat? Und was oder wer hat das oder den erschaffen, der das oder den erschaffen hat, der Gott erschaffen hat?
    Gott war schon immer da? Hm?
    Die Geschichte der Religionen und die Entstehung der Götter legt den Verdacht nahe, dass der Mensch zwar nicht das Universum, wohl aber die tausenden Götter erschaffen hat, die mittlerweile darin wohnen.
    Götter waren für viele Menschen die Antwort auf die Fragen, die sie nicht beantworten konnten. Für manche sind sie heute noch Antwort auf die Fragen, die längst beantwortet sind.

    1. Welche Fragen sind den längst beantwortet? Ob Götter oder Urknall, die Tür zum Unwissen steht weit offen!

  7. Es ist sehr schamenswert, wie sich hier einige Mitmenschen auf dem Rücken der Sternsinger austoben. Sie verstoßen zwar nicht gegen die Netiquette des GE, aber wohl gegen die Netiquette vieler Christen und Nichtchristen, die sich für diese in meinen Augen sehr lobenswerte Aktion einsetzen!

    1. Vielen Dank für diesen Kommentar, Herr Meyer. Ich wünsche den zahlreichen Kindern, die sich auch in diesem Jahr wieder mutig für andere Kinder in ärmeren Ländern engagieren, von Herzen viel Erfolg.

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