Loch im Sparstrumpf oder zu wenig Risikoneigung?

Finanzen

Zum Kommentar von GE-Chefredakteur Oswald Schröder (siehe GrenzEcho vom Samstag, 25. August, Seite 2) schreibt Dr. Albert Jürgen Enders aus Eupen:

Sie schreiben, dass der belgische Sparer die Zeche der EZB-Niedrigpolitik bezahlt und die Börsenspekulanten Milliarden scheffeln. Dazu einige Fakten:

Jeder Sparer kann sich auch mit kleinen Summen an Unternehmen beteiligen (Aktien) bzw. in Märkte (Indizes, Fonds) investieren. Investoren nehmen dem Sparer nichts weg, sondern haben mehr Risikoneigung, und Risiko wird vergütet. Das gilt für Unternehmer, Selbstständige und erst recht für Investoren. Übrigens verhalten sich beim Risiko viele Menschen irrational: Beim Geld suchen sie Sicherheit, während beim Urlaub wieder in die Türkei und andere gefährliche Regionen gefahren, weil billig. Hier wird das Risiko ausgeblendet. Ein Investor ist übrigens kein Spekulant. Der Investor investiert langfristig – der Spekulant zockt kurzfristig: an der Börse, im Glückspiel oder im Kasino.

Viele wollen nur Sicherheit und verzichten auf Rendite, deshalb ein Sparkonto. So kommen in Belgien 350 Mrd. Euro bei den Banken zusammen. Diese Milliarden benötigen wir eigentlich in Investitionen in Unternehmen, Infrastruktur und damit Arbeitsplätze. Mit Aktien oder mit Anteilen in Genossenschaften hat man hier investiert.

Schließlich erfreuen sich Hausbauer seit Jahren niedriger Zinsen und haben auch bei geringerem Einkommen die Möglichkeit genutzt, zu bauen. Das war in einer Hochzinsphase insb. für junge Familien nicht darstellbar. Und Wohneigentum ist die beste Altersvorsorge – sogar besser als Aktien.

Die Aussage, dass sich die Arm-Reich-Schere deshalb öffnet, weil Milliarden Zinsen auf belgischen Sparkonten fehlen, während Spekulanten Milliarden „scheffeln“, scheint mir konstruiert. Der wahre Grund der Arm-Reich-Schere liegt vielmehr in der Lohnpolitik.

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