Ist das Zölibat ein Irrsinn?

Katholische Kirche

Zum Zölibat schreibt Joseph Meyer aus St.Vith (Klosterstraße):

Am Sonntag, 2. September, beklagte der St.Vither Dechant Claude Theiss den Priestermangel auch in Ostbelgien. Auf meine Frage, wann die katholische Kirche endlich auch Frauen zum Priestertum zulassen würde, antwortete er, das würde doch nicht von den Priestern abhängen … Das Gleiche gilt sicher auch für das unseelige Zölibat, glaubt man den Aussagen von Anselm Bilgri, Ex-Mönch und Autor des Buches „In aller Liebe“ (siehe GE vom 05.09.2018, Seite 15). So wie die Muslime weltweit unter dem Mangel an gemeinschaftlichen Strukturen, vereinter geistlicher Führung und zeitgemäßer Reformbewegung zu leiden haben, so leiden die Katholiken unter einer nahezu diktatorischen Hierarchie von alten Kirchenfürsten. Wie kann es sein, dass eine Religionsgemeinschaft, deren erklärtes Hauptziel die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen ist, seinen wichtigsten Mitarbeitern die natürliche Liebe zwischen Mann und Frau verbietet? Ja, das Zölibat ist ein ungeheuerlicher Irrsinn, denn die unmittelbaren Folgen sind dann heimliche sexuelle Beziehungen mit Frauen oder Männern und, was natürlich viel schlimmer ist, der unsägliche Kindesmissbrauch.

Ganz erschwerend kommt meines Erachtens heute hinzu, dass die katholische Kirche auf diese Weise ihre tatsächlichen und in der Gesellschaft dringend benötigten Werte nicht genügend vermitteln kann. Wir, die katholische Glaubensgemeinschaft, sollten das Zölibat deshalb notfalls gegen die Hierarchie abschaffen, und dann Letztere von Grund auf reformieren!

  1. „Ganz erschwerend kommt meines Erachtens heute hinzu, dass die katholische Kirche auf diese Weise ihre tatsächlichen und in der Gesellschaft dringend benötigten Werte nicht genügend vermitteln kann.“

    Wirklich Herr Meyer?

    Ich empfehle ihnen die die Lektüre des Buches von Dr. Andreas Edmüller:
    „Die Legende der christlichen Moral“ (Tectum Verlag)
    A. Edmüller kommt in seinem Buch zu einem überraschenden Ergebnis:
    „Eigentlich verfügt das Christentum über keinerlei ernstzunehmende Morallehre. Denn was man findet ist ein in sich unstimmiges und unsystematisches Konglomerat an Geboten, Verboten, Gleichnissen und biblischen Erzählungen, sind Appelle an Autoritäten, antike Präzedenzfälle, Missverständnisse und oft kaum haltbare Interpretationen der angeblich heiligen Schriften. Und selbst wenn da mehr wäre – es ließe sich nicht vernünftig begründen…
    Die moralische Relevanz des Christentums ist im Rahmen verantwortungsvoller und vernünftiger Diskussion vernachlässigbar, ja oft sind christliche Positionen sogar schädlich.“

    Nur Mut.

  2. Man kann vermuten, dass der oder das „unseelige“ Zölibat einer der Gründe dafür ist, dass der katholischen Kirche – zumindest hier in Europa – die Priesterberufungen wegbrechen.
    Gibt es dazu Belege?

    Da bei den Protestanten die Priester heiraten dürfen, müsste die Situation dort eigentlich anders sein, aber auch dort sind viele Pfarrstellen unbesetzt und reicht die Zahl der Priesteramtskandidaten längst nicht mehr aus, um die Lücken zu füllen.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article109306660/Protestanten-in-Deutschland-droht-Pfarrermangel.html

    Man kann das Problem allerdings auch relativieren:
    „Von einigen Geistlichen werden die Zahlen in Mitteleuropa jedoch relativiert, da die Gesamtkirche in den betroffenen Gebieten schneller schrumpfe als die Priesterzahl. So antwortete Tarcisio Kardinal Bertone, Staatssekretär des Papstes, auf ein Schreiben österreichischer Geistlicher, dass der Rückgang der Priesterzahl in Österreich eng mit dem Rückgang der praktizierenden Katholiken verbunden sei, und dass heute wahrscheinlich sogar weniger praktizierende Katholiken auf einen Priester in Österreich kämen als in früheren Jahrzehnten.[28] Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers, es gebe gemessen an der Zahl junger Gottesdienstbesucher heute sogar mehr Priesteramtskandidaten als früher.“
    ( https://de.wikipedia.org/wiki/Priestermangel )

    „Wir, die katholische Glaubensgemeinschaft, sollten das Zölibat deshalb notfalls gegen die Hierarchie abschaffen, und dann Letztere von Grund auf reformieren!“

    So der Aufruf von Dr. Meyer zur innerkirchlichen Revolution. Gerne wüsste man, wie er das bewerkstelligen wollte. Bestimmt nicht mit den wenigen Besuchern der Sonntagsmesse, wo man sich auch in den Eifeldörfern zunehmend wie in einem Altersheim vorkommt. Bestimmt auch nicht mit denjenigen, die noch zu Taufen, Erstkommunion, Trauungen oder Begräbnissen in die Kirche kommen, ansonsten aber höhstens noch zur Mitternachtsmesse mit den Kindern oder Enkeln, wegen der weihnachtlichen Stimmung.

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