„Erdolfs“ perfider Plan

Syrien-Konflikt

Zum Konflikt in Syrien und der Rolle der Türkei schreibt Dieter Leonard aus Eupen:

Seit sieben Jahren wütete in Syrien ein Bürgerkrieg mit mehr als 300.000Toten und der Flucht von fast 13 Millionen Menschen innerhalb und außerhalb des Landes. Nach der Befreiung Syriens vom IS, unter anderem durch die vom Westen unterstützten und aufgerüsteten Kurdenmilizen, keimte die Hoffnung nach einer Befriedung des Landes und einer Rückkehr zahlreicher Menschen in ihre Heimat. Mit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der türkischen Armee mithilfe der vorwiegend islamistischen und dschihadistischen „Freien Syrischen Armee“ in die syrisch/kurdische Provinz Afrin, die bis dahin vom Bürgerkrieg noch weitestgehend verschont war, machte Despot Erdogan diese Hoffnung jäh zunichte. Auch die grenzenlose Gewalt in Ost-Ghouta und Konflikte im Südwesten entfernen das Land immer mehr von einer Befriedung. „Erdolf“ (treffende Wortschöpfung des Kabarettisten Andreas Rebers) nutzt die Gunst der Stunde, um seinen Plan, den größtenteils kurdischen Norden Syriens ethnisch zu säubern, in die Tat umzusetzen. Dabei hat er der FSA grünes Licht gegeben, die islamistisch motivierten IS-Massaker an der Zivilbevölkerung fortzusetzen, Frauen zu entführen, zu verkaufen und zu vergewaltigen. Welches genau der schmutzige Deal mit Erdogan ist, der es ermöglicht, dem syrischen Drama ein neues menschenverachtende Kapitel hinzuzufügen, wird sich wohl erst dann herausstellen, wenn eine Nachkriegsordnung sichtbar wird.

Das Zuschauen der „zivilisierten Welt“ und die mangelnde Bereitschaft, einen bzw. zwei Despoten aufzuhalten, ist mindestens genauso menschenverachtend wie Erdolfs perfider Plan.

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